Die Villa Bunter Hund / Zuhause gesucht

 Geschichten über außergewöhnliche Hunde und ihre Menschen

  

LILLY - 06.08.1999 - 29.03.2011

Mahnung für all jene, die sich einen Rassehund anschaffen wollen! 

LILLY hieß ursprünglich RITA und wurde am 06.08.1999 bei einem "Züchter" in der Slowakei geboren.

Acht lange Jahre lebte sie dort in einem Zwinger und war dazu verdammt, niedliche kleine Golden Retriever-Welpen zu produzieren.  

Wenn man das erste halbe Lebensjahr abzieht und von einer durchschnittlichen Wurfgröße von fünf Welpen ausgeht, die zweimal pro Jahr "produziert" wurden und der "Züchter" diese Welpen für je 500 Euro verkauft hat, dann hat ihm LILLY in siebeneinhalb Jahren 37.500 Euro eingebracht, von denen nur ein Bruchteil für ihre Haltung verwendet sein dürfte.

Als LILLY nach acht Jahren nicht mehr tauglich war für die Zucht, sollte sie gemeinsam mit einer Leidensgenossin vom Tierarzt eingeschläfert werden. Doch sie hatte Glück, dass der Tierarzt sie an das Tierheim in Trnava übergab, wo sie kastriert und versorgt wurde.

Am 24.01.2008 war mein kleiner CHICO gestorben und ich suchte für meine damals bereits ca. 10 Jahre alte GIOIA einen Hundekumpel. Nach einiger Internet-Recherche fiel mir LILLY auf, von der ich meinte, sie könnte vom Alter her passen.

 

 

Zum Glück vertrugen sich GIOIA und LILLY vom ersten Moment an. Auch wenn es nie eine richtige Hundefreundschaft wurde, so haben sie einander doch respektiert und in Frieden gelassen.

 

Sie betrat mein Haus mit den Augen eines Hundes, der nie ein Haus von innen gesehen hat. Sie staunte, aber befand es für gut und das Körbchen fand sie auch prima und kuschelig. Eine Woche benötigte sie, um Kraft genug zu haben, um in die obere Etage zu kommen, wo sich mein Schlafzimmer befindet.

 

Bei mir lernte sie, wie schön es ist, baden zu gehen. Anfänglich zierte sie sich und traute sich nicht recht ins Wasser. Doch einmal die Scheu überwunden, war sie kaum noch herauszukriegen und endlich benahm sie sich wie ein "normaler" Golden Retriever.

Leider bekam sie von ihren Bädern in Donau, Schwechat und Leitha so genannte "hot spots", Ekzeme, die blutig werden, wenn der Hund daran kratzt und nur mit Salben und Bade-Abstinenz verheilen. Mir tat LILLY so leid. Da hatte sie so ein Vergnügen am Wasser und sollte nicht mehr hinein...  Ich ließ sie trotzdem baden und behandelte sie halt regelmäßig gegen hot spots...

 

Ende 2009 bekam sie plötzlich "eine dicke Backe" - sie hatte eine heftige Zahnfleischentzündung. Beim Tierarzt wurden ihr in Nakose drei Zähne gezogen und die restlichen Zähne so gut es ging, saniert/gereinigt.

Ab Herbst 2010 litt sie an Arthrose und einem schwachen Herzen. Im März 2011 wurde dann auch noch Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert = ihr Todesurteil. Nach Diagnosestellung blieben ihr noch gerade drei Wochen... am 29.03.2011 ließ ich sie von ihren Leiden erlösen.

LILLY ist ein Beispiel dafür, was Rassehunden angetan wird, nur um aus Profitgier billigst produzierte Rassewelpen für teures Geld zu verkaufen. Die potentiellen Käufer sehen nur die niedlichen kleinen Welpen. Für die geschundenen Muttertiere interessiert sich kein Mensch!

 

Oft habe ich mir auch vorgestellt, wieviele ihrer Krankheitsgene LILLY wohl an ihre Nachkommen weitergegeben hat, wieviele Hundebesitzer nun mit ähnlichen Krankheitsbildern konfrontiert sind und wieviel Geld sie dafür beim Tierarzt gelassen haben. Die Anschaffung des Welpen war zwar billig. Die nachfolgenden Tierarztkosten übersteigen sicher den Preis, den man bei einem seriösen Züchter hätte zahlen müssen.

Ich bin nicht gegen die Anschaffung eines Rassehundes, der bei einem Züchter gekauft wird. Auch wenn es mir lieber wäre, alle Menschen würden ihre Hunde aus dem Tierschutz nehmen, so will ich Züchter grundsätzlich nicht verteufeln.

ABER: wenn Sie schon einen Rassehund haben wollen, dann seien Sie bitte auch so konsequent und schauen sich den Züchter sehr genau an und scheuen auch den hohen Preis nicht!

Einen Rassehund, der bestens aufgezogen, sozialisiert und gesund ist, bekommen Sie nicht für 500 Euro! Was würden Sie von einem Autohändler denken, der Ihnen einen Mercedes-Neuwagen für 10.000 Euro anbietet? Würden Sie denken, der Händler wäre seriös und das Auto in tadelosem Zustand?

Bestehen Sie beim Welpenkauf darauf, die Mutter der Welpen zu sehen. Schauen Sie sich ganz genau im Haus des Züchters um. Ist der Züchter seriös, wird er Ihnen bereitwillig alles zeigen, gerne Auskunft geben und auch nichts dagegen haben, wenn Sie mehrmals vor dem Welpenkauf zu ihm kommen und sich Zeit bei der Auswahl Ihres Hundes lassen.

Machen Sie sich nicht mitschuldig am Leid der Muttertiere und am Leid der Welpen.

Kaufen Sie keine billigen Rassewelpen!

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Mai 2010:

SOJKA wurde Anfang des Jahres 2010 von der Polizei ins Tierheim Piestany gebracht. Sie wog damals nurmehr 17 kg und war völlig ausgemergelt. 

Weil sie Hunger litt, hatte sie alles gefressen, was ihr in die Quere kam: Steine, Stöcke, Plastik, Unrat, Aas. Einfach alles. Damit hat sie sich ihren Magen komplett zerstört und noch in der Slowakei wurde ihr 2/3 des Magens entfernt. Die erste Zeit war sie in einer slowakischen Pflegestelle, bei Jela und Jaro, untergebracht, die extra für sie ihren Jahresurlaub genommen hatten, um sie rundum zu betreuen. Als diese lieben Menschen wieder zurück in ihre Berufe mussten, übernahm meine Freundin Monika aus Wien SOJKA Mitte März.

Via Facebook fieberten viele slowakische Tierfreunde tagtäglich mit, wie es SOJKA im fernen Wien ergeht. Monika bekam viel Zuspruch von diesen Menschen und viele von ihnen spendeten auch Geld, so dass wenigstens ein Teil der Operations- und Behandlungskosten bezahlt werden konnten.

Sowohl Monika als auch die Tierärzte, die Monika zur Seite standen - hier möchte ich besonders den Tierarzt Dr. Gilbert von der Tierklinik Wieden in Wien sowie die Tierärzte der VetUni Wien erwähnen -, kämpften wie die Löwen, damit SOJKA einmal ein halbwegs normales Leben in einer neuen Familie würde führen können. Alle wussten, es wird ein langer und steiniger Weg. Aber die Hoffnung hat uns alle begleitet.

Trotz einiger Rückschläge, sah es bis 05.05.2010 sehr gut für sie aus. SOJKA hatte an Gewicht zugelgt, sie war munter und wollte auf ihrer Pflegestelle sogar schon "Chefin" werden. Auch die Blut- und Kotuntersuchungen waren positiv. Alles deutete darauf hin, dass sie es schaffen kann.

Doch dann der Rückschlag. Am 06.05.2010 verschlechterte sich ihr Zustand rapide. Ein Röntgen und ein Ultraschall brachte es ans Licht: SOJKA hatte nun auch einen Tumor am Magenausgang. Eine OP mit zweifelhaftem Ausgang hätte eventuell etwas gebracht. Doch Monika hat völlig richtig entschieden, SOJKA weitere Qualen zu ersparen und so hat sie sie gehen lassen.

An dieser Stelle möchte ich Monika für ihren Einsatz für SOJKA danken. Sie hat SOJKA alles gegeben, was sie konnte. Leider hat es nicht gereicht. Aber Monika hat dafür gesorgt, dass diese Hündin sich wenigstens für ein paar Wochen behütet, geschützt und geliebt fühlen durfte und wie eine Prinzessin behandelt wurde..

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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